Klein-aber-fein-Tour - Interventionen und Stadtpartikel
Eine Stadt wird nicht nur von den großen Projekten geprägt. Diese stehen zwar in der öffentlichen Diskussion im Vordergrund, dennoch sind auch die kleineren, häufig privaten Interventionen für das Stimmungsbild einer Stadt essentiell. Mit der Gründung des Gestaltungsbeirates wollte man daher nicht nur die Bürgerschaft als institutionellen, sondern ebenso den konkreten, individuellen Bauherren fördern.
Bei dieser Route, die notwendigerweise geografisch disloziert ist, richtet sich das Augenmerk auf kleine, vornehmlich von Privatpersonen getragene Bauten. Wenn Sie diese besichtigen, bitten wir um gebührenden Respekt vor der Privatsphäre der Bewohner. Dazwischen eingeflochten finden sich Kleinobjekte öffentlicher Bauherren, die manchmal ihre Bedeutung im Seriellen entfalten, wie die Stationen der S-Bahn, die Ihnen als Verkehrsmittel für Ihre Stadterkundungen hiermit wärmsten empfohlen wird.
Ein Einfamilienhaus im Süden von Salzburg, das von Lülja Praun für die Familie Sailer, von außen kaum wahrnehmbar, umgebaut wurde. Der Wintergartenzubau war einer der ersten reinen Glasbauten, dessen damalige konstruktive Gewagtheit auch heute noch nachvollziehbar ist.
Am Ursprung dieses expressiven Bauwerks steht ein unscheinbares Siedlungshaus der Zwischenkriegszeit, das in den 1990er-Jahren für die Zwecke eines Fotostudios von den Architekten Lutz und Prasser mit einem fensterlosen trommelförmigen Zubau ergänzt wurde. Rund zehn Jahre später wurde der Altbestand von den Architekten Forsthuber und Scheithauer durch ein Bürogebäude ersetzt, das sich als „schwebende“ Überbauung über den zylinderförmigen Zubau mit seiner Fassade aus irisierenden Metallpaneelen stülpt. Eine erdgeschoßige Spange dient für die Erschließung beider Bauteile. Zwischen Neubau und Zylinder wurde eine Zäsur in Form einer horizontalen Fuge eingefügt. (IAS)
Erreichbarkeit: Haltestelle "Bildungshaus St. Virgil", Buslinie 7
Dann eine halbe Stunde zu Fuß.
Haus Gänsbrunn, 1960, Gänsbrunnstr. 10. Ein weiterer Paradebeitrag Gerhard Garstenauers zur Wohnhaus-Architektur der Moderne.
Zweifellos eines der besten je in Österreich gebauten Holzwohnhäuser, das seit 2011 auch unter Denkmalschutz steht. Garstenauer bettet das Haus einfühlsam in das leicht abfallende Terrain ein. Im Inneren staffelt er die Räume und Raumgruppen, die durch Treppen voneinander getrennt sind, so dass der natürlichen Geländerverlauf nicht nur spürbar bleibt, sondern zum Strukturprinzip des Hauses wird. Garstenauer verwendete bis hin zur Einrichtung borsalzimprägnierte Lärche massiv oder brettschichtverleimt.
Durch das weit auskragende Pultdach, es bildet wiederum die Hangneigung ab, wird der Holzständerbau geschützt. Garstenauer schuf mit diesem Entwurf eine Art alpines Prärie-House, dessen einziges Manko ist, dass es keine Nachfolger gefunden hat. (IAS)
Architektur: Pichler & Traupmann (2002-2003)
BauherrIn: Helmut Fischer, Ina Stegen
Auf einem Traum- aber doch scheinbar unbebaubaren - Grundstück am steilen Fuß des Gaisbergs gelegen, besticht dieses luxuriöse Wohnhaus für 2 Personen durch sein komplexes räumliches Konzept, das sämtliche Vorteile der Lage nützt und scheinbare Nachteile gekonnt ins Gegenteil verkehrt.
Als Antwort auf die komplexe Aufgabenstellung entstand das Konzept eines prototypischen Leitbildes, das mit einem modularen Baukasten eigenständiger Elemente variiert und realisiert wird. Die in Bezug auf die jeweilige örtliche Situation in unterschiedlichen Kombinationen und Varianten verwendbaren Module sollen für alle im Stadtgebiet von Salzburg geplanten Haltestellen eingesetzt werden. Die Stationen bieten den unverwechselbaren architektonischen Ausdruck für das überfällige Angebot zeitgemäßer öffentlicher Personenbeförderung, das mit hoher Akzeptanz von den Nutzern angenommen wird.
Architektur: Philip Lutz, cp architektur (2000)
BauherrIn: Familie Steger
Ein besonderes architektonisches Kleinod ist diese Ergänzung einer typischen „Kai-Villa“ aus den 1870er Jahren. Durch die Art der Konstruktion können die metall-gerahmten Fensterflügel nacheinander zur Gänze nach außen aufgeklappt werden und bieten den Eindruck von im Wind flatternden Gardinen, die im Augenblick erstarrt sind.
Der in Stahlbau ausgeführte dreigeschossige Wohnturm wurde auf die ehemalige Werkstätte aufgesetzt, welche vom planenden Architektenehepaar bereits seit mehr als einem Jahrzehnt als Büro genutzt wird. Die Lechners erfüllten sich auf dem 146 m² Grundstück den Traum vom autarken, urbanen Leben und Arbeiten.
Das Haus setzt mit seinen großzügigen Fassadenöffnungen in der Altstadt auf Kontrast, passt sich aber gleichzeitig mit seiner Oberfläche aus Kalkputz an die umgebenden Häuser an. Jedes Geschoß hat seine Bestimmung, die mit zunehmender Höhe umso privater ausfällt.
Dass im Kellergeschoß neben der hauseigenen Kläranlage samt Trinkwasser-Rückgewinnung ein direkt belichtetes Schwimmbecken Platz findet, grenzt schon an ein Wunder. (IAS)
Bereits Anfang des 20. Jh. wurde das Erdgeschoß dieses Altstadthauses für die Pustet-Druckerei entscheidend umgebaut. Bei der neuerlichen Umnutzung konnte so manches bauhistorisch wichtige Element wieder zum Vorschein gebracht und durch Zeitgemäßes ergänzt werden. Die Lage an zwei Straßen kommt der einerseits öffentlichen, andererseits inneruniversitären Nutzung entgegen. Von beiden Seiten gern genutztes Bindeglied ist die Lounge im ehemals offenen Gewölbe und der möblierte Innenhof.
Architektur: Fritz Lorenz (2008)
BauherrIn: Stadt Salzburg Immobilien GmbH
Zugänglichkeit: öffentlich
Erreichbarkeit: Haltestelle Mönchsbergaufzug
Buslinien 1, 4, 8, 22 und 28
Haltestelle Hanuschplatz
Buslinien 20, 21, 24 und 27
Haltestelle Mülln-Altstadt dann 10min Fußweg
S-Bahn Linie S3
Besuch im Café und Museum, Blick vom verglasten Stiegenhaus auf die Salzach und den Vorplatz des Museums
Das Haus der Natur, untergebracht im1699-1726 errichteten Ursulinenkloster Fischers von Erlach, erhielt 2009 zusätzliche Ausstellungsflächen im ehemaligen Museum C. A. aus dem Jahr 1963. Dazu wurden die beiden überaus unterschiedlichen Häuser über eine interne Verbindung und ein neues vollständig verglastes Stiegenhaus mit integriertem Aufzug miteinander verknüpft. Auffälligster Blickfang der Neugestaltung ist ein in geradezu barocken Formen gehaltenes Foyer aus einer frei geformten Betonskulptur mit begehbarer Dachterrasse.
Fritz Lorenz hat entgegen der Empfehlung von Vorstudien den Platz vor der Fassade des Klosters nicht frei gelassen. Der objektive Verlust von Raum, wird durch die funktionelle Bereicherung des Stadtraums aber mehr als kompensiert. (IAS)
Ein Um- und Zubau am nordwestlichen Hang des Mönchsbergs, Teil der Altstadt-Schutzzone, vereint dieses Ensemble klare zeitgenössische Elemente mit liebevoller Renovierung der Bestandsbauten. Die einzelnen Bereiche Geschäft, Bar, Küche, Seminarräume, Innenhof sowie Weinkeller und Gastraum im Berginneren sind abwechslungsreich gestaltet und teilweise spektakulär inszeniert.
Das ehrwürdige Salzburger Künstlerhaus entschloss sich unter seiner damaligen Leiterin Hildegund Amanshauser zu einem facelifting. Von Elsa Prochazkas Gesamtkonzept blieb jedoch nur die Gestaltung des Caféinnenraums. Die davor liegende Glasterrasse zur Salzach hin wurde später von Halle 1 appliziert.